Geschichte der Feuerwehr Mulsum

Die Anfänge im Kaiserreich

Mit der Einsetzung von Nachtwächtern zur "Vermeidung und Früherkennung von Brandkatastrophen" im Jahre 1826 wurde der Erkenntnis aus vergangenen Bränden Rechnung getragen, etwas tun zu müssen. Durch Wachstum der landwirtschaftlichen Betriebe, Zunahme der Bevölkerung sowie der baulichen Tätigkeiten und Steigerung der allgemeinen Werte wurde der Gedanke, sein Eigentum zu schützen, vordringlicher denn je. Am 18.06.1894 wandte sich Landrat Götze an den Vorsitzenden des örtlichen Kriegervereins. Er wurde beauftragt, Gespräche mit dem Gemeindevorsteher Heitmann zu führen. Aufgrund der Verpflichtung des Landrats handelte die Gemeindeversammlung und am 06.10.1894 wurde die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr einstimmig beschlossen. 22 Einwohner erklärten ihre Bereitschaft zum Beitritt und es folgte die 1. Jahreshauptversammlung der FF am 13.10.1894. Hier traten nochmal 20 weitere Einwohner der Wehr bei. Eine Satzung wurde verfasst und dem Landkreis Stade zwecks Genehmigung eingereicht. Diese wurde am 27.10.1894 vom Landkreis Stade genehmigt zurückgegegeben.

(Inhalt der Festschrift zum Hundertjährigen Bestehen der FF entnommen.)

Die weitere Entwicklung bis zur Weimarer Republik

Mitbegründer und erster Brandmeister war Diedrich Stelljes in der Zeit von 1894-1902.Unter seiner Führung entstand 1896 das erste Spritzenhaus. Allgemein im Raum stand zu damaliger Zeit die Gründung von Pflichtfeuerwehren. Auch für Mulsum erging am 24.03.1902 ein Gemeindebeschluß, neben der freiwilligen Feuerwehr eine Pflichtfeuerwehr einzurichten. Hierfür wurden vierzig Mann dienstverpflichtet. Für den von der Gemeinde vorgesehenen Brandmeister W. Heitmann erfolgte seitens des Landkreises keine Bestellung, da bereits eine funktionierende freiwillige Feuerwehr bestand. Der Hauptmann der freiwilligen Feuerwehr wurde somit gleichzeitig Hauptmann der Pflichtfeuerwehr. Dieser Zustand dauerte bis zur Auflösung der Pflichtfeuerwehr im Jahre 1928 an. Ebenfalls 1902 stellte die politische Gemeinde einen Antrag an die Kirchengemeinde Mulsum, ihr die Kirchspielspritze aus dem Jahr 1896 zum Besitz zu übergeben. Diesem Antrag wurde entsprochen und die politische Gemeinde stellte den Mulsumer Wehren die Spritze zur Verfügung.

 

Zeichnung von der vierrädrigen Feuerspritze für die Freiwillige Feuerwehr zu Mulsum 1894
Zeichnung von der vierrädrigen Feuerspritze für die Freiwillige Feuerwehr zu Mulsum 1894

Nachfolger von Diedrich Stelljes wurde Johann Seba, der das Amt bis in das Jahr 1922 führte. Er war damit ebenfalls Brandmeister für beide Wehren. Vorhanden waren seinerzeit drei Feuerlöschteiche im Ort und ein Bach als Wasserquelle, sowie auf jedem Grundstück ein Brunnen.

(Inhalt der Festschrift zum Hundertjährigen Bestehen der FF entnommen.)

Weimarer Republik, 3. Reich und Zweiter Weltkrieg

1922 übernahm das Amt des Brandmeisters der Landwirt Klaus Bösch. Er hatte mit den bizarren Auswirkungen der Inflation zu tun. So kostete im November 1923 ein Ei 80 Milliarden Mark, ein Glas Bier 150 Milliarden Mark und ein Pfund Butter sogar 6 Billionen Mark.

1924 bekam Mulsum eine vierrädrige Pferdezugmotorspritze und es wurde ein Antrag auf Neubau eines Spritzenhauses gestellt. Das vorhandene war veraltet und unbrauchbar geworden.

1925 wurde Klaus Bösch von dem Bäckermeister Henry Kloppenburg als Brandmeister abgelöst, der dieses Amt bis 1945 ausführte. Unter seiner Regie wurde das neue Spritzenhaus neben seiner Bäckerei gebaut und die erste Feuersirene auf dem Dach installiert. Der Zug der Zeit brachte es mit sich, daß im Oktober 1934 der Brandmeister Kloppenburg sowie zwei weitere Löschmeister zu Hilfspolizeibeamten ernannt wurden. Während des Zweiten Weltkrieges waren viele Kameraden zum Kriegsdienst eingezogen. Der Brandschutz im Ort war nicht mehr gewährleistet. Der Bürgermeister mußte daraufhin dem Landrat weibliche Kräfte als Feuerwehrhelferinnen vorschlagen, die in Folge "Notdienstverpflichtet" wurden. Benannt wurden 16 junge Mulsumer Frauen im Alter von 18 bis 26 Jahren.

(Inhalt der Festschrift zum Hundertjährigen Bestehen der FF entnommen.)

Nachkriegszeit, Bundesrepublik Deutschland bis zur Wiedervereinigung

Viele Feuerwehrkameraden kehrten aus dem Zweiten Weltkrieg leider nicht zurück. Nach dem verlorenen Krieg hatte die Freiwillige Feuerwehr nach wie vor Bestand und 1945 wurde der Uhrmachermeister Johann Wülpern zum 1. Wehrführer nach Kriegsende ernannt. 1952 wurde das Spritzenhaus um 3m verlängert und die Eingangstür erneuert. 

Opel-Blitz, Löschfahrzeug mit Vorbaupumpe
Opel-Blitz, Löschfahrzeug mit Vorbaupumpe

1956 wurde ein Löschfahrzeug mit Vorbaupumpe angeschafft, 1962 die VW-Tragkraftspritze und 1964 ein VW-Löschfahrzeug.

Der Mulsumer Feuerwehrspielmannszug
Der Mulsumer Feuerwehrspielmannszug

Am 04.09.1951 wurde ein Feuerwehrspielmannszug gegründet, der viele erfolgreiche Auftritte nicht nur auf Feuerwehrveranstaltungen hatte. Leider wurde er 1956 bereits wieder aufgelöst.

1964 übernahm der Landwirt Erich Heitmann das Amt des Brandmeisters. Da das altehrwürdige Spritzenhaus bei Kloppenburg ausgedient hatte, wurde ein neues Domizil in der Rosenstraße errichtet. Es entstand ein Gerätehaus mit drei Einstellplätzen, einen Kameradschaftsraum und einer vollständigen Lehrerwohnung.

Einen wesentlichen Einschnitt nahm das Feuerlöschwesen durch die Gebiets- und Verwaltungsreform im Jahre 1972. Unsere Wehr wurde nun der Samtgemeinde Fredenbeck unterstellt. Bedingt durch die Reform schien es, daß die Mulsumer Wehr ihren Fahrzeugbestand verringern müßte. Eine Ersatzbeschaffung für das 1964 gekaufte Löschfahrzeug wurde von der Samtgemeinde abgelehnt. Damit gaben sich die Mulsumer Kameraden aber nicht zufrieden. In Eigeninitiative wurde ein gebrauchtes Fahrzeug angeschafft, durch Spenden finanziert und zum Feuerwehrwagen umgerüstet. Der alte Fahrzeugbestand blieb somit erhalten.

1974 wurde, als zweite im Landkreis Stade, in Mulsum eine Jugendfeuerwehr gegründet. 1975 wurde ein LF8 in Dienst gestellt.

(Inhalt der Festschrift zum Hundertjährigen Bestehen der FF entnommen.)

Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung

Aufgrund des Falls der Mauer am 09. November 1989, der Wiedervereinigung am 03.Oktober 1990, der allgemeinen Entspannung zwischen Ost und West und der damit verbundenen Abrüstung wurde der Mulsumer Wehr 1991 aus Bundeswehrbeständen ein Tanklöschfahrzeug zur Verfügung gestellt. Die Wehr ist seitdem in der Lage, zu Bränden stets Wasser mitzuführen.

1993 wurde die Freiwillige Feuerwehr Mulsum vom Samtgemeinderat zur Stützpunktwehr bestimmt.

Im Mai 1993 trat Heiner Heitmann die Nachfolge seines Vaters als Brandmeister an. 1994 wurde das 100-jährige Jubiläum der Feuerwehr Mulsum gefeiert.

 

Die Freiwillige Feuerwehr Mulsum zum 100-jährigen Jubiläum
Die Freiwillige Feuerwehr Mulsum zum 100-jährigen Jubiläum

Im Jahr 1999 wurde das 25-jährige Jubiläum der Jugendfeuerwehr gefeiert. Da der gesamte Fahrzeugpark der Mulsumer Wehr mittlerweile in die Jahre gekommen war, standen hier Ersatzbeschaffungen an. Das LF8 wurde im Jahr 2001 durch ein neues Fahrzeug ersetzt. Bei der Beschaffung eines neuen Transporters als ELW und Jugendfeuerwehrfahrzeug tat sich die Samtgemeinde sehr schwer. Wieder einmal wurden die Mulsumer Kameraden aktiv. In einer beeindruckenden Spendenaktion wurden durch die Mulsumer Bevölkerung ein Großteil der benötigten Mittel bereitgestellt, so daß im Jahr 2006 ein entsprechendes Fahrzeug angeschafft werden konnte. 2006 wurde dann ebenfalls das über 40 Jahre alte TLF ersetzt. Im Jahr 2013 wurde die Lehrerwohnung im Gerätehaus frei. Diese wurde von der Samtgemeinde der Feuerwehr übergeben. In Eigeninitative wurde durch die Mulsumer Kameraden das gesamte Obergeschoß des Gerätehauses umgebaut, so daß der Übungsraum, das Brandmeisterbüro, die sanitären Einrichtungen, etc. nun aktuellen Ansprüchen genügen.

2014 war die Mulsumer Wehr Erntewirt beim großen Ernteumzug und Erntefest der Mulsumer Vereine. Im September 2016 wurde ein Förderverein der Feuerwehr gegründet.

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Letzte Änderung:

13.12.2017